I.T. nach Hause telefonieren

Da gibt es das Gerücht, dass viele Computer, Telefone und Uhren Daten vom Besitzer abgreifen und in irgendeine Firmenzentrale senden, damit diese zumindest für Werbezwecke ausgewertet werden können. Was soll ich sagen? Das stimmt. Und oftmals lässt sich dies nicht durch Einstellungen umgehen.
Das MacBook sendet Daten auch bei scheinbar ausgeschaltetem WLAN durch den Äther. Vom iPhone wissen wir, dass auch ohne SIM-Karte oder Netzverbindung Daten über Skylink versendet werden. Und wenn man eben noch mit den Lieben über eine Neue Heizdecke mit Pferdekopfmuster sprach: schon erscheint sie bei den Werbeanzeigen im Social Media Feed.
Sei es mal dahingestellt, ob diese Wahrnehmung auch der Wirklichkeit entspricht. Laut der Recherche des WDR und des Chaos Computer Club sei dem nicht so.
Das andere Szenario lautet, dass unsere Geräte mit der Zeit an Leistung verlieren und nichts mehr wirklich geht. Als Beispiel nenne ich hier mal meinen iMac 27“ von 2014: Vor wenigen Wochen erhielt ich die Nachricht, dass viele Apps nicht mehr funktionieren werden. Dass ich schon seit langer Zeit kein neues Systemupdate mehr machen konnte wurde mit der „veralteten“ Hardware begründet.
Und um ehrlich zu sein: Es kann ja sein, dass sich durch den Wunsch einiger Nutzer, immer aktuelle Systeme zu haben, es sich für die Unternehmen schlichtweg nicht lohnt, altes aufrecht zu halten. Nach Hochrechnungen kommt man bei Apple darauf, dass die Produktion eines vergleichbaren iMacs etwa 200 bis 500 kg CO2-Äquivalent als CO2-Fußabdruck hinterlässt. Und dann kommt noch der Preis für ein neues Modell, das nicht mehr in 27 Zoll Größe gebaut wird.
Ich möchte hier niemanden etwas vorwerfen. Weder Nutzern noch Herstellern. Ich möchte lediglich zeigen, dass mit nur ein paar kleinen Alternativen und überschaubaren technischem Geschick die Lebensdauer unserer Geräte noch erweitertert werden kann.
Linux in verschiedenen Distributionen, wie Ubuntu, Mint oder andere sind kostenlos und scheren sich relativ wenig um Age-Shaming. (Eine ganz gute Übersicht über die verschiedenen Distributionen hat lidux.de) Nach einer guten und nutzerfreundlichen Anleitung läuft mein iMac nach 12 Jahren wieder wie am ersten Tag. Sicherheitsupdates als LTS inklusive. Ein wirkliche Alternative zu einem Neuen Rechner mit neuem Betriebssystem.
Ähnliche lässt sich für Smartphones sagen. Ubuntu-Touch oder grapheneOS entgooglen so manches Android-Handy und ich meine, dass die App-Auswahl durch verschiedene App-Stores (F-Droid, Aurora-Store) nichts vermissen lassen (und sogar noch das ein oder andere Bonbon oben drauf legen).
Da das Android-System bereits eine Linux-Distribution ist, ist die Umstellung auch nicht ganz so schwierig. (Apple iOS spiel jedoch da nicht mit, obwohl macOS ein Unix-Derivat, als Linux-Ähnlich ist.) Während grapheneOS den Android-Look größtenteils behält, legt Ubuntu-Touch Wert darauf ähnlich dem PC-Betriebssystem zu sein, das sich optisch ein wenig an macOS orientiert (ich hoffe das hört keiner, der sich besser damit auskennt ;))
Bevor man jedoch sein Handy oder Tablet mit dem neuen Betriebssystem versieht, sollte man DRINGEND die unterstützen Geräte checken. Manchmal geht es halt einfach nicht.
Und letztendlich gilt immernoch: Aus Europa kommen auch richtig gute Handys. Und nicht jeder Anbieter hat gleich ein Werbenetzwerk hinter sich, dem Nutzerdaten zugespielt werden müssen.
